Begonnen hatte alles mit der Auslagerung des traditionellen Schlachthofs Ende der 1990er. Weg von Sankt Marx.
Zunächst wurden das ehemalige Schlachthof- und Fleischmarktgebiet jahrelange brach liegen lassen. Ein fertiger Architekturwettbewerb zur Flächengestaltung sowie Pläne, den ORF anzusiedeln, scheiterten. Nur die sogenannten „Zwischennutzungsprojekte“ fanden an dem Platz tatsächlich eine Heimat. In den Jahren danach gesellten sich zum Communitygarten und zum Skatepark weitere Projekte, manche nur temporär. Andere blieben, der Konzertverein und der Basketballplatz etwa. Seit einigen Monaten ist nun auch das „Wild im West“ dort angesiedelt, ein hipper Flohmarktplatz. Und somit die erste kommerzielle, langfristigere Nutzung der Fläche. Parallel dazu hat sich das Gebiet rund um die Freifläche stark entwickelt. Von der Immobilienbranche als „Neu Marx“ vermarktet, siedelten sich hier zunächst Medienbetriebe an, von der ProSiebenSat.1 Gruppe bis zur Wiener Zeitung. Mit der Marx Halle wurde 2014 eine kleinere Eventhalle eröffnet. Die Uni Wien übersiedelte 2021 ihre Biologie-Fakultät in ein brandneues Gebäude in unmittelbarer Nähe. Hinzu kommt eine Reihe neuer Wohnhäuser direkt am Rande der Freifläche.
Jenes 44.000 m2 große Areal mitten im dritten Wiener Gemeindebezirk soll Heimat der neuen Event-Halle Wiens werden. Das steht bereits seit Beginn 2019 fest. Der Weg seit damals ist allerdings ein holpriger. Es wurde ein Spatenstich für 2021 und eine Eröffnung 2024 angekündigt. Bis zur abschließenden Prüfung des Gewinnerentwurfes eine Architekturbewerbers wurde es November 2021. Dann ein erster großer Stolperstein. Das Projekt wird zum ersten Mal gerichtlich unter die Lupe genommen. Der Stadtrechnungshof prüft aufgrund diverser Verzögerungen und einem Anstieg des Budgets von 250 Millionen auf aktuell 742 Millionen Euro. Wenige Monate später wird per öffentlichem Vergabeverfahren nach externen Investor*innen gesucht.
Und es wird eine Zeit lang still um die Halle. Nach langem Schweigen: Die Zuschlagsentscheidung an einen US-amerikanischen Konzern, mit Baubeginn datiert auf 2025. Dabei wäre angeblich niemand geringerer als Arnold Schwarzenegger als Beteiligter im Gespräch gewesen. Dann allerdings die zweite gerichtliche Prüfung. Das Verwaltungsgericht Wien untersagt noch 2023 nach Klage des Zweitplatzierten CTS Eventim aufgrund eines Formalfehlers den Zuschlag an den neuen Partner. Aber das Angebot des CTS Eventim Konzerns sei laut Wien Holding „unannehmbar“, hieß es damals. Aus „in wenigen Wochen“ wird mehr als ein ganzes Jahr. Nun, vor einem Monat, ergeht der Zuschlag plötzlich und final an den Zweitplatzierten von den zwei Bietern. Diesmal scheint alles rechtens zu sein. Die Stadt wird sich mit 153 Millionen Euro an dem Projekt beteiligen, dreimal so viel wie im erstplatzierten Entwurf. Aktuell geplanter Baubeginn 2026 oder 2027 – eine Fertigstellung vor 2030, kaum möglich.
